Der Umgang mit Umgangs- und Sorgerechten

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Der Umgang mit Umgangs- und Sorgerechten

Die Trennung zweier Elternteile führt nicht selten auch zu der Frage, was nun, da der Familienverbund nicht mehr besteht, im Hinblick auf die aus der Beziehung hervorgegangenen Kinder geschehen soll. Oft vergessen die „Erwachsenen“ neben ihren eigenen Sorgen, dass es die Kleinen sind, die unter einer Trennung der Eltern mehr leiden als sie selbst. Dennoch sind natürlich im Zusammenhang mit einer Trennung viele Fragen zu klären: Wo sollen die Kinder künftig leben, wer bestimmt was und wann und wie häufig dürfen Besuche stattfinden?

Können sich die Eltern in Bezug auf diese Fragen nicht einigen muss zunächst eine Vermittlung durch das Jugendamt versucht werden. Hilft dies nichts, muss mit gerichtlicher Hilfe entschieden werden. Dabei orientiert sich die Entscheidung des Gerichtes niemals daran, was denn eigentlich die Eltern wollen und für sich beanspruchen. Grundlage einer gerichtlichen Entscheidung ist einzig und allein das Wohl des Kindes! Das gilt für Umgangs-, wie für Sorgerechtsfragen. Beim Umgang ist die Maxime allerdings, dass so viel Umgang wie möglich mit jedem Elternteil gut ist für das Kind. Die soziale Beziehung zu beiden Elternteilen soll so stabil wie möglich bleiben, was nur mit entsprechend regelmäßigen und dauerhaften Kontakten möglich ist. Verweigert der Elternteil, bei dem das Kind lebt, diese Umgangskontakte, kann, nach erfolgloser Vermittlung durch das Jugendamt, der Anspruch auf Umgang gerichtlich durchgesetzt werden. Der Anspruch auf Umgang besteht dabei nicht nur seitens eines Elternteiles, sondern natürlich auch auf Seite des Kindes. Häufigkeit und Dauer sind dabei verschiedenen Faktoren unterworfen. Ein titulierter Anspruch auf Umgang ist im Übrigen auch vollstreckbar, wobei man sich nicht vorstellen darf, dass das Kind womöglich unter Polizeiaufsicht beim Elternteil abgeholt wird. Die Vollstreckung solcher Rechte erfolgt durch Zwangsgelder, welche das Gericht auf Antrag verhängen kann, wenn ein Elternteil sich nicht an die gerichtlichen Entscheidungen hält.

Bei Fragen des Sorgerechts spielen noch mehr Faktoren als beim Umgangsrecht eine Rolle. Das Sorgerecht an sich gliedert sich schon in mehrere Unterbereiche, die wiederum einzeln (gerichtlich) geregelt werden können. Dazu gehören z.B. das Aufenthaltsbestimmungsrecht, das Recht der Gesundheitsfürsorge, Pass- und Meldeamtsangelegenheiten sowie behördliche Angelegenheiten (Kindergarten- und Schulfragen).

Oft ist die Situation bereits akut. Väter oder Mütter haben Ihre Kinder nach endlosen Querelen bereits seit Wochen nicht mehr gesehen oder es sind rasche Entscheidungen zu treffen, die keinen langen Aufschub mehr dulden. An die Vermittlungsversuche durch das Jugendamt sind deshalb keine allzu großen Voraussetzungen zu stellen. Eltern müssen sich hier nicht auf endlose Sitzungen und Diskussionen einlassen. Verweigert ein Elternteil die Mitwirkung oder führt die Vermittlung durch das Jugendamt nicht zu einem zügigen Ergebnis, sollte jedenfalls schnell gerichtliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Berücksichtigt werden muss schließlich auch eine gewisse Verfahrensdauer bei den deutschen Gerichten.

Es ist also jedenfalls ratsam, sich bereits frühzeitig um anwaltliche Hilfe zu bemühen, weil so der Anwalt auch einen gewissen Einblick erhält und die Situation besser beurteilen kann. Bereits im Vorfeld können Tips und Ratschläge erteilt werden, die möglicherweise einen günstigeren Einfluss auf das Verfahren nehmen. Z.B. ist eine ausführliche Dokumentation bei Streitigkeiten um Umgangs- und Sorgerechte wichtig. Führen Sie ein Tagebuch und notieren Sie, wann und für wann Umgang begehrt wurde (Tag, Datum, Zeiten), wie dieser geltend gemacht wurde (schriftlich, telefonisch), wie die Reaktion der Gegenseite auf den Wunsch war. Gleiches gilt bei Sorgerechtsfragen. Notieren Sie, welche Fragen Sie mit dem anderen Elternteil wann und wie besprechen wollten, wie die Reaktion war und warum eine Einigung nicht zustande kam. Kommunizieren Sie nicht nur per SMS oder WhatsApp, sondern schreiben Sie zu Dokumentationszwecken wenigstens Emails. Ein Gericht tut sich leichter damit, eine ausgedruckte Email zu lesen als die Nachricht auf einem vorgelegten Handy. Zumal ein Beweismittel meist schon im schriftlichen Verfahren vorgelegt werden muss. Und wer gibt schon gern sein Handy für mehrere Wochen ab…

Die Einschätzung der Erfolgsaussichten bei Umgangs- und Sorgerechtsfällen ist für den juristischen Laien beinahe unmöglich. Oft bietet es sich auch an, einen entsprechenden Antrag zu stellen, um überhaupt den Stein ins Rollen zu bringen. Sie sollten dies alles mit Ihrem qualifizierten Rechtsanwalt in Ruhe besprechen, um dem Verfahren die bestmöglichen Erfolgsaussichten zu geben.

Ihr Rechtsanwalt

Felix Rösser