Steuervorteil bei Wiederheirat

Dez

18

Steuervorteil bei Wiederheirat

Die Wahl einer günstigen Steuerklasse bei einer neuen Heirat kommt nur den Kindern, nicht der Ex-Frau zugute.

Artikel aus dem Braunschweig Report von Fachanwältin für Familienrecht Annette Stebner:

Verheiratete Paare werden steuerlich entlastet. In der Ehe kann ein Ehegatte die Steuerklasse III wählen. Dies lohnt sich insbesondere, wenn der andere Ehegatte nicht arbeitet, denn nach Steuerklasse III steht dem Arbeitnehmer ein doppelter Steuerfreibetrag zur Verfügung (sogenannter Splittingvorteil), der sich auch sofort bemerkbar macht. Die Nettoauszahlung erhöht sich monatlich deutlich spürbar. Aber erhöht sich damit auch der Unterhalt für die Unterhaltsberechtigten des Arbeitnehmers, sein Ex-Frau und die Kinder aus erster Ehe?

Grundsätzlich berechnet sich der Unterhaltsanspruch für Ex-Frau und Kinder nach dem Netto-Einkommen des Unterhaltspflichtigen. Wenn sich dieses bei Wiederverheiratung durch den Steuervorteil erhöht, kommt dies zwar seinen Kindern, nicht aber der Ex-Frau zugute. Für den Kindesunterhalt gilt, dass der Unterhaltspflichtigen sein tatsächliches gesamtes Einkommen einsetzen muss, so dass auch der Steuervorteil aus der Wiederverheiratung dem Kind in voller Höhe zu Gute kommt.

Für den Geschiedenenunterhalt allerdings hat das Bundesverfassungsgericht bereits 2003 entscheiden, dass der Splittingvorteil aus der Neu-Ehe bei der Bemessung des Unterhaltsanspruches des früheren Ehepartners unberücksichtigt beleiben müsse. Demzufolge ist bei der Wahl der neuen Steuerklasse fiktiv zu zu berechnen, welches Nettoeinkommen dem Unterhaltsschuldner zur Verfügung stünde, wenn er unverheiratet geblieben wäre und welcher Unterhaltsanspruch sich daraus berechnet.

Übrigens gilt dieser Grundsatz auch andersherum: Manch ein findiger Unterhaltsschuldner wählt nach der Wiederverheiratung bewusst die ungünstigste Steuerklasse V, um sein Nettoeinkommen möglichst gering erscheinen zu lassen. Dies braucht die geschiedene Ehefrau sich nicht gefallen zu lassen: Auch hier ist der Unterhaltsschuldner fiktiv so zu behandeln als hätte er die Steuerklasse I bzw. IV gewählt.