Die häufigsten Fragen und Irrtümer beim Autokauf

Okt

16

Die häufigsten Fragen und Irrtümer beim Autokauf

Rechtsanwalt Christian Ballasch zu häufigen Irrtümern beim Autokauf

1. “Wenn ich ein Auto kaufe, kann ich innerhalb der ersten 14-Tage den Kauf widerrufen.”

Das ist falsch! Auch wenn diese Formel immer wieder im Internet auftaucht; sie trifft nicht zu. Eine 14- tägige Widerrufsfrist ist die Ausnahme. Diese kann dann beispielsweise gegeben sein, wenn – verbunden mit dem Autokauf – ein Kredit aufgenommen worden ist, der dazu dient das Auto zu kaufen. In der Regel gilt: Gekauft ist gekauft!

2. “Wenn etwas mit meinem VW Golf, nachdem ich ihn gekauft habe, nicht in Ordnung ist, muss ich mich an VW (Hersteller) wenden.”

Was die gesetzlichen Gewährleistungsansprüche angeht, ist Ihr Ansprechpartner der Verkäufer des Fahrzeugs. Gewerbliche Verkäufer verweisen dann bisweilen an den Hersteller. Lassen Sie sich darauf nicht ein, Vertragspartner ist der Verkäufer. Nur in diesem Verhältnis können Gewährleistungsansprüche geltend gemacht werden. Beim Kauf einer Sache können die Gewährleistungsrechte, wenn Sie als Privater beim Händler kaufen, nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Die gesetzlichen Gewährleistungsansprüche haben Sie dann immer. Daneben kann der Händler oder der Hersteller eines Fahrzeugs freiwillig Garantievereinbarung mit Ihnen als Käufer schließen.

3. “Wenn bei einem Verkaufsgespräch mein Mann / meine Frau dabei war, zählt das sowieso nicht vor Gericht, schließlich ist es Familie.”

Wer Zeuge ist, bestimmt sich in erster Linie “formell”. Wenn sie ein Fahrzeug kaufen und ausschließlich Sie als Käufer im Kaufvertrag genannt sind, kann Ihr Mann/ Ihre Frau vor Gericht als Zeugin auftreten. Grundsätzlich sind Familienangehörige genauso geeignete Zeugen wie andere Personen auch. Ob und inwieweit das Gericht dem Zeugen letztlich glaubt, richtet sich in jedem einzelnen Fall nach der Beweiswürdigung des Gerichts.

4. “Beim Fahrzeugkauf werde ich durch den Händler zum Unternehmer gemacht. Ist doch irgendwie schmeichelhaft oder?”

Vorsicht! Wenn Sie als Privater bei einem Händler ein Fahrzeug kaufen, handelt es sich um einen sogenannten Verbrauchsgüterkauf. Bei einem solchen Kauf genießen Sie als Verbraucher besonderen Schutz. Wenn Sie nun beim Fahrzeugkauf zu einem Unternehmer “gemacht werden”, kann darin ein Versuch liegen, diese Schutzrechte zu umgehen.

5. “In Verbindung mit einem Fahrzeugkauf gibt es eine Gewährleistungsfrist von 2 Jahren ohne Einschränkungen, oder?”

Richtig ist, dass die gesetzliche “Gewährleistungsfrist” beim Kauf zwei Jahre beträgt. Wenn ein Händler ein gebrauchtes Fahrzeug an einen Privaten verkauft, kann er diese Frist auf ein Jahr begrenzen (er kann sie aber nicht gänzlich ausschließen!). Dies wird beim Gebrauchtwagenkauf auch regelmäßig so gehandhabt.

Wenn Sie sich als Käufer eines Fahrzeugs auf Mängel berufen, müssen Sie im Zweifel beweisen, dass dieser Mangel bereits bei Übergabe der Kaufsache vorgelegen hat oder bereits angelegt war. Wenn Sie als Privatperson bei einem Händler kaufen und der Mangel tritt innerhalb der ersten sechs Monate ab Übergabe der Kaufsache auf, so wird in der Regel vermutet, dass dieser Mangel bereits bei Übergabe der Kaufsache vorlag. Ihnen steht mithin innerhalb der ersten sechs Monate eine Beweiserleichterung zur Seite.

6. “Wenn ich einen Mangel an meinem Fahrzeug habe, reicht es aus, diesen beim Verkäufer innerhalb der Gewährleistungsfrist anzuzeigen.”

Dies ist nicht zutreffend. Wenn die Gewährleistungsfrist abzulaufen droht, sollte eine Klage anhängig gemacht werden oder ein sogenanntes selbstständiges Beweisverfahren durchgeführt werden, wenn man sich innerhalb der Gewährleistungsfrist nicht anderweitig einigen kann.
Etwas anderes kann gelten, wenn Sie während der Gewährleistungsfrist mit dem Verkäufer über Ihre Gewährleistungsrechte verhandelt haben. Lassen Sie sich im Zweifelsfall rechtzeitig beraten.

7. “Wenn nach dem Kauf an meinem Fahrzeug etwas nicht in Ordnung ist und der Verkäufer sich weit weg von meinem Wohnort befindet, kann ich mein Fahrzeug zur Reparatur zu einem anderen Händler oder Reparaturwerkstatt bringen.”

Hierbei ist Vorsicht angezeigt. Wenn Sie im Rahmen der Gewährleistung eine unentgeltliche Nachbesserung an dem Fahrzeug vornehmen lassen wollen, müssen Sie das Fahrzeug unbedingt dort hinbringen, wo Sie es gekauft haben. Sie müssen grundsätzlich dem Verkäufer die Möglichkeit der Nachbesserung geben. Wenn Sie das Fahrzeug dennoch woanders hinbringen wollen, empfiehlt es sich dies jedenfalls mit dem Verkäufer abzusprechen und sich dies (ggf per Fax) auch schriftlich genehmigen zu lassen.

Auch wenn Sie das Fahrzeug wegen eines Mangels zurückgeben wollen und Ihren Kaufpreis wiederhaben wollen, bedarf es in der Regel zweier Nachbesserungsmöglichkeiten des Verkäufers. Wenn Sie dem Verkäufer diese Möglichkeit nicht geben haben, liegen ggfs. auch die Voraussetzungen für eine Rückabwicklung des Kaufvertrages nicht vor

8. “Wenn ich mir ein Fahrzeug kaufe und es ist irgend etwas kaputt, kann ich mich immer an den Verkäufer wenden.”

Auch das stimmt nicht, insbesondere nicht beim Gebrauchtwagenkauf. Wenn Sie ein gebrauchtes Fahrzeug kaufen, müssen Sie in Kauf nehmen, dass bestimmte Verschleißerscheinungen an dem Fahrzeug gegeben sind. Typische Verschleißerscheinungen stellen keine Mängel im Sinne des Gewährleistungsrechts dar.

9. “Im Zweifel ziehe ich bei einem mißglückten Kauf eines Fahrzeugs vor Gericht, spätestens da bekomme ich Recht.”

Ob es sich tatsächlich lohnt vor Gericht zu ziehen, sollten Sie am besten mit Ihrem Anwalt besprechen. Ihr Anwalt kann Sie über die voraussichtliche (unter Umständen lange) Dauer eines solchen Verfahrens aufklären und dessen Kosten. Des Weiteren können Sie mit Ihrem Anwalt Fragen und Risiken der Beweislast und der Beweiswürdigung besprechen. Nur wenn Sie Kosten und die rechtlichen und tatsächliche Risiken eines gerichtlichen Verfahrens kennen, sind Sie in der Lage, hier eine “überlegte” Entscheidung zu treffen

10. “Wenn ich ein Fahrzeug gekauft habe, mit dem ich nicht einverstanden bin und mich mit dem Verkäufer nicht weiter rumschlagen will, verkaufe ich es einfach an einen Dritten weiter.”

Auch hier ist besondere Vorsicht angesagt und zwar selbst dann, wenn Sie das Fahrzeug privat weiterverkaufen und einen Gewährleistungsausschluss vereinbart haben. Wenn das Fahrzeug einen Mangel hat, den Sie kennen und den Sie gegenüber dem Käufer verschweigen, wäre der Gewährleistungsausschluss unwirksam. Unter Umständen können Sie sich dann sogar wegen Betruges strafbar machen. Es empfiehlt sich beim Weiterverkauf den Käufer über die “Macke” am Fahrzeug aufzuklären und diese “Macke” ausdrücklich in den Kaufvertrag mit aufzunehmen.