Teure Reparaturen – Betrüger sind unterwegs

Jul

17

Teure Reparaturen – Betrüger sind unterwegs

Empfehlungen von Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht Lars Kukowski:

Hauseigentümer aufgepasst: Derzeit sind betrügerische Firmen unterwegs und versuchen, sich Reparaturaufträge zu ergaunern.

Vorsicht bei kostenloser Dachrinnenreinigung oder Inspektionen von Dach oder Fassade!

Die Masche: Die Firmen klingeln an der Haustür und bieten dem Eigentümer eine kostenlose Dachinspektion an, bei der – natürlich – größere Schäden festgestellt werden, die dringend beseitigt werden müssen. Anschließend wird gleich ein günstiges Angebot für die Reparatur unterbreitet und anschließend schnell mit den Arbeiten begonnen, bevor der Eigentümer es sich anders überlegen oder weitere Informationen einholen kann. Die nächste böse Überraschung folgt, wenn das Dach abgedeckt ist: Nun wird festgestellt, dass man sich angeblich bei der Kalkulation verrechnet habe oder der Schaden noch größer sei, als ursprünglich angenommen. Folge: Mehrkosten in Höhe von oft mehreren Tausend Euro.

Bei offenem Dach und eventuell drohendem Regen haben nur wenige Eigentümer die Nerven, Vergleichsangebote oder eine zweite Meinung einzuholen oder sich rechtlich beraten zu lassen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist dies jedoch dringend geboten.

Vorsicht bei Kanalrohrüberprüfungen!

Bei einer anderen betrügerischen Masche ziehen Firmen von Haustür zu Haustür und bieten an, eine angeblich gesetzlich vorgeschriebene Kanalrohrüberprüfung für “nur 49 Euro” durchzuführen. Eine solche Pflicht zur Überprüfung der Kanalrohre gibt es jedoch nicht.

Das Angebot dient letztlich auch nur dazu, einen Folgeauftrag abzuschließen. Die Firma behauptet, die Kanalrohre seien nicht frei und bietet zu einem “Vorzugspreis” von über 1.500 Euro an, die angeblich erforderliche umfassende Prüfung der Leitung auf Dichtigkeit und Hochdruckreinigung durchzuführen.

Wir empfehlen:

1.Seien Sie misstrauisch bei Angeboten an der Haustür. Vergeben Sie keine Aufträge für angeblich notwendige Dach-, Fassaden- oder Kanalarbeiten, ohne zuvor eine zweite Meinung eines örtlichen niedergelassenen Fachbetriebes einzuholen. Adressen geeigneter Firmen können Sie bei den Handwerkskammern erfragen oder in den Gelben Seiten finden.

2. Holen Sie vor einer Auftragserteilung Kostenvoranschläge anderer Firmen ein und vergleichen Sie nicht nur den Preis, sondern auch den Leistungsumfang. Viele Angebote erscheinen günstiger, weil sie nicht alle Positionen in die Kalkulation einbeziehen. Oft heißt es in Angeboten, dass bestimmte Leistungen “nach Aufwand” oder “zum Nachweis” berechnet werden. Unseriöse Firmen setzen hier unrealistisch geringe Werte in die Kalkulation ein, um günstiger zu erscheinen. Eine weitere Masche besteht darin, bewusst einige Leistungen aus der Kalkulation herauszulassen, um im Angebot günstiger zu erscheinen, und sich für diese Leistungen erst nachträglich gegen erhebliche Mehrkosten beauftragen zu lassen.

3. Vereinbaren Sie im Zweifel einen Festpreis. Achten Sie aber auch hier darauf, dass der Festpreis für alle erforderlichen Leistungen gilt und nicht nur für einen im Leistungsverzeichnis festgelegten Umfang. Anderenfalls kann der Endpreis nämlich wieder dadurch ausgehebelt werden, dass für “vergessene” Positionen nachträglich ein Zusatzauftrag verlangt wird, der wieder mit erheblichen Mehrkosten verbunden wird.

4. Leisten Sie bei Geschäften an der Haustür keine Vorschüsse. Vereinbaren Sie stattdessen, dass die Arbeiten erst nach Ausführung und Abnahme bezahlt werden. Legen Sie im Vertrag verbindlich fest, ab wann die Arbeiten begonnen werden können und bis zu welchem Datum sie abgeschlossen sein müssen.

Wenn Sie schon einen Vertrag unterzeichnet haben:

1. Wenn die Arbeite noch nicht begonnen haben, sollten Sie den Vertrag unverzüglich widerrufen. Dies sollte, damit es im Streitfalle nachweisbar ist, schriftlich per Einschreiben oder vorab per Fax geschehen. Sie sollten dann den Handwerkern den Zutritt verweigern, damit diese nicht bereits vollendete Tatsachen schaffen und Sie so weiter unter Druck setzen können.

2. Lassen Sie sich im Zweifel unverzüglich anwaltlich beraten.
Bei Haustürgeschäften steht dem Kunden ein gesetzliches Widerrufsrecht von 14 Tagen zu. Allerdings sind hiervon Ausnahmen möglich. So besteht ggf. kein Widerrufsrecht, wenn die Firma auf Bestellung zu Ihnen ins Haus gekommen ist.

Haustürgeschäfte sind übrigens nicht nur Geschäfte, die direkt an der Haustür geschlossen werden, sondern auch Geschäfte, die durch mündliche Verhandlungen am Arbeitsplatz oder im Bereich einer Privatwohnung oder nach einem überraschenden Ansprechen auf der Straße geschlossen werden.

Auch wenn seit Abschluss des Vertrages schon mehr als 14 Tage vergangen sind, kann noch ein Widerrufsrecht bestehen, wenn Sie nicht ordnungsgemäß über Ihr Widerrufsrecht belehrt wurden. Neben dem Widerrufsrecht kommen gegebenenfalls auch eine Anfechtung oder eine Kündigung in Frage. Wichtig ist jedoch, sich hier unverzüglich beraten zu lassen, um keine Fristen zu versäumen.