Wissenswertes zum Thema Schmerzensgeld und Ansprüchen bei Personenschäden

Jan

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Wissenswertes zum Thema Schmerzensgeld und Ansprüchen bei Personenschäden

Verletzungen, die Sie sich im allgemeinen Strassenverkehr zuziehen, sei es als Fußgänger, Radfahrer oder Kraftfahrer, können in der Regel eine Fülle von Ansprüchen nach sich ziehen.

Welches sind die wichtigsten Schritte?

1) Beweise sichern

Unmittelbar nach dem Unfall sollte “Beweissicherung” betrieben werden. Sie sollten in jedem Falle die Polizei hinzuziehen, denn die Beamten nehmen den Unfall sachgerecht auf und kümmern sich auch um Zeugen. Verletzungen sollten durch einen sofortigen Arztbesuch dokumentiert werden. Fertigen Sie ggf. auch Fotos von den Verletzungen und deren Heilungsverlauf.

2) Anwalt einschalten

Die sich aus Verletzungen ergebenden Ansprüche können vielfältig sein. Als Laie verliert man hier schnell den Überblick und fühlt sich überfordert. Ohne die Einschaltung eines Fachanwaltes verschenken Sie häufig bares Geld. Betrauen Sie daher schnellstmöglich einen Fachanwalt für Verkehrsrecht mit der weiteren Abwicklung Ihrer Schadenersatzansprüche. Sofern Sie aufgrund der Schwere des Unfalles hierzu nicht in der Lage sind, können Sie auch Angehörige oder Freunde bitten, die entsprechenden Schritte für Sie in die Wege zu leiten, damit Ihnen nicht Nachteile durch die Verzögerung entstehen. Sie erhalten vom Fachanwalt unverzüglich eine Einschätzung der Haftungs- und Anspruchslage wie auch der wirtschaftlichen Erfolgsaussichten.

3) Anerkennung der Haftung

Sind hinreichende Erfolgsaussichten gegeben, sollten sofort weitere Maßnahmen eingeleitet werden. Die Gegenseite (Haftpflichtversicherer) ist förmlich zur Anerkennung der Schadensersatzpflicht dem Grunde nach (Haftungsübernahme) aufzufordern. Die Höhe der Ansprüche wird dann später beziffert, sobald die hierfür erforderlcihen Informationen vorliegen. Hier ist dann das Fachwissen des Experten gefragt.

4) Dritte, die informiert werden sollten

Denken Sie daran, eine ggf. vorhandere private Unfallversicherung von dem Unfall zu informieren; dies wird oft vergessen. Wenn ein sog. Wegeunfall vorliegt, sich also der Unfall auf dem Weg von oder zur Arbeit oder auf einer Dienstfahrt ereignet hat, ist auch die zuständige Berufsgenossenschaft einzuschalten.

5) Führen Sie ein Krankentagebuch

Sie sollten auch ein sog. Krankentagebuch führen, das aus Ihrer Sicht Dauer und Art der Verletzungsfolgen (Schmerzen) Anzahl der Arztbesuche, durchgeführte Therapien und Medikamtentationen sowie Einschränkungen im Beruf, Alltag, Haushalt und Freizeit (Urlaub) enthält. Führen Sie das Krankentagebuch so, dass es für den Sachbearbeiter eines Versicherers nachvollziehbar ist.

Fertigen Sie auch für den Zeitraum der unfallbedingten Beeinträchtigung eine Aufstellung, wie Ihre übliche Hausarbeit täglich für welche Verrichtungen ausgestaltet war (Beschreibung des Haushalts, Anzahl und Alter der Personen, wer ist berufstätig, Größe der Wohnung, welches Stockwerk oder Haus mit wieviel Etagen/Gartengröße, Anzahl der zu versorgenden Personen/Tiere) und in wie weit Sie in dem Zeitraum bis zur Heilung unfallbedingt täglich in der Hausarbeitsverrichtung eingeschränkt waren. Denn neben dem Schmerzensgeld kommt auch der Hausarbeitsschaden in Betracht, wenn die Einschränkung der Haushaltsführung durch die Art der Verletzung nachgewiesen ist.

Das Krankentagebuch und die Beschreibung der Einschränkung für die Hausarbeit sind für den Fachanwalt wichtige Informationen für die Geltendmachung Ihrer Ansprüche und dienen auch der Kontrolle der später vorliegenden ärztlichen Berichte.

6) Unfallbedingte Kosten

Fertigen Sie auch eine Aufstellung über unfallbedingt veranlasste Kosten (Praxisgebühren, Zuzahlungen, Aufwendungen) und unfallbezogene Fahrten (Datum, Fahrziel und Grund der Fahrt wie die jeweils gefahrenen Kilometer oder Belege für Taxi oder öffentliche Verkehrsmittel).

7) Kosten der Angehörigen für Besuche

Sollten die Verletzungsfolgen schwerer sein und Angehörige Sie besuchen, so können die Besuchskosten von Angehörigen als Schadenersatz geltend gemacht werden, wenn die behandelnden Ärzte Besuche von Angehörigen als aus ärztlicher Sicht förderlich für die Genesung erachten. Hierüber sollte gegebenenfalls eine ärztliche Bescheinigung ausgestellt werden, in welcher die Angehörigen und die Anzahl der notwendigen Besuche benannt werden.

8) Weiterer Ablauf

Wenn dem Fachanwalt alle vorgenannten Informationen vorliegen, werden die Personenschäden und weitere Schadenersatzansprüche beziffert. Neben Schmerzensgeldansprüchen sind auch neben den vorgenannten Aufwendungen auch beachtlich der Hausarbeitsschaden (Ersatz für Einschränkungen, die Sie hindern, Ihren Haushalt in gewohnter Weise zu führen), der Erwerbsschaden (jegliche unfallbedingte finazielle Verdiensteinbussen) und die vermehrten Bedüfnisse(Mehrkosten für Hilfsmittel, die krankheitsbedingt notwendig werden).

9) Bemessung von Schmerzensgeld

Für die Höhe der Schmerzensgelder können sog. Schmerzensgeldtabellen eine Orientierung sein. Die Forderungen sind aber auf den jeweiligen Einzelfall abzustimmen. Eine Tabelle kann nicht alle individuellen Folgen berücksichtigen. Bei der Bemessung von Personenschäden ist daher viel Erfahrung und Verhandlungsgeschick erforderlich (siehe hierzu auch unser Artikel “Wissenswertes zum Schmerzensgeld – häufig gestellte Fragen”).

10) Vorsicht vor Abfindungen!

Der gegnerische Haftpflichtversicherer wird versuchen, Ihre Ansprüche “kleinzurechnen” und / oder Sie mit einem Einmalbetrag abzufinden. Eine Entscheidung darüber sollten Sie nicht allein treffen. Akzeptieren Sie eine Abfindung, sind damit in der Regel auch sämtliche künftigen Ansprüche erledigt. Wenn erkennbar oder zu befürchten ist, dass noch Spätfolgen auftreten, sollten daher materielle und immaterielle Ansprüche für die Zukunft vorbehalten werden, und zwar mit der Wirkung eines Feststellungsurteils.

Sofern die Verletzungsfolgen so schwer wiegen, dass Ihre Erwerbsfähigkeit auf absehbare Zeit nicht wiederhergestellt werden kann, so besteht auch die Möglichkeit , dass auf Kosten des Versicherers des Schädigers ein sog. Personenschadensmanagement durchgeführt wird.

Der Haftpflichtversicherer sollte in dem Fall eines Personengroßschadens sich nicht darauf beschränken, unfallbezogene Rechnungen zu bezahlen und Personenschaden zu leisten, sondern nach Möglichkeit ein Rehabilitationsmanagement veranlassen. Die Bedeutung solcher Maßnahmen wurde zwischenzeitlich von großen Versicherern erkannt und es wurden Gesellschaften gegründet, die sich mit medizinischer Rehabilitation und beruflicher Wiedereingliederung von Unfallopfern befassen. Interdisziplinär arbeiten dort Ärzte, Juristen, Berufseingliederer und Pädagogen zusammen, um durch individuelle Betreuung, professionelle Zielsetzungen und Koordination erforderlicher Maßnahmen eine zügige berufliche Wiedereingliederung zu ermöglichen.Die Kosten eines Reha-Dienstes übernehmen hier in der Regel die Haftpflichtversicherer.

11 ) Unser Angebot

Wir verhandeln für Sie Ihre Schadenersatzansprüche fachgerecht auch für die Zukunft und führen hierzu häufig auch persönlich sogenannte Regulierungsverhandlungen in unserer Kanzlei mit dem Sachbearbeiter oder Regulierer des gegnerischen Versicherers. So können anspruchsvolle Sachverhalte besser gelöst werden als dies auf schriftlichem oder telefonischem Wege möglich ist.